#1 21-cm-Kanone L/162 (Paris- oder Wilhelmgeschütz) von hadischa 13.04.2020 16:45

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Im Herbst 1914 forderte die Oberste Heeresleitung die Marine auf, von der belgischen Küste aus den Hafen von Dover zu beschießen. Das Reichsmarineamt wendete sich daraufhin an Krupp, wo man fieberhaft an der Entwicklung weitreichender Kanonen und Munition arbeitete. Im Juli 1917 fanden die ersten Schießversuche auf dem Schießplatz Altenwalde bei Cuxhafen statt, weitere Versuche gab es bei Meppen.
Zunächst verwendete man die Mantelrohre der 35-cm-Schnellladekanone L/45, in welche man das überlange 21-cm-Rohr eingelegt hatte. Auch die Lafette wurde aus dem Schießgerüst für die 38-cm-SLK L/45 in Eisenbahn-Bettungslafette entwickelt.
Drei 21-cm-Kanonen L/162 sind fertiggestellt worden. Im Einsatz standen die Geschütze im Frühjahr 1918, in deren Verlauf 367 Granaten aus Entfernungen zwischen 87 000 und 128 000 m auf das Stadtgebiet von Paris verschossen wurden. Die sieben Rohre, die man für die Geschütze herstellte, mussten nach ihrer schnellen Abnutzung schon im März 1918 aufgebohrt werden.
Quelle: Textauszug "Deutsche Artillerie 1914 - 1918"
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Vorbereitung zum Schuß
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In Feuerstellung

#2 RE: 21-cm-Kanone L/162 (Paris- oder Wilhelmgeschütz) von hadischa 13.04.2020 16:55

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Paris - Geschütz
Unter dem Namen Paris-Geschütz wurde im Ersten Weltkrieg ein deutsches Fernkampf-Geschütz der Firma Krupp vom Kaliber 21 cm bekannt. Es hatte eine außergewöhnliche Reichweite von etwa 130 Kilometern und beschoss im Jahr 1918 Paris.
Das Geschütz hatte eine Rohrlänge von 37 Metern, d. h. von 176 Kalibern (L/176). Das Rohr war eine Konstruktion aus einem 17 m langen (Mantel-)Rohr mit 38 Zentimeter Innendurchmesser (vom Geschütz Langer Max), in das ein 30 m langes gezogenes 21-cm-Rohr (Seelenrohr) eingesetzt wurde. Schließlich wurde noch ein 6 m langes glattes Rohr (die sogenannte „Tüte“) angefügt. Die überlange Konstruktion wurde durch ein charakteristisches hängebrückenartiges Spannwerk gegen Durchhängen geschützt. Dieses Geschützrohr wurde als „Kaiser-Wilhelm-Rohr“ bezeichnet. Es verschoss Spreng-Granaten von 106 Kilogramm Masse (Sprengladung etwa 7 kg) mit einer ballistischen Haube und einer Mündungsgeschwindigkeit v0 von bis zu 1645 Meter pro Sekunde. Die Kanone hatte eine Gesamtmasse von rund 140 Tonnen und wurde mit der Eisenbahn an den Einsatzort transportiert. Deswegen war es aber kein Eisenbahngeschütz, sondern schoss aus drehbaren sogenannten Schieß-Gerüsten von stationären Bettungen aus Beton oder Stahl.
Die Reichweite von circa 130 km beruhte auf einer ballistischen Besonderheit. Mit einem hohen Abgangswinkel von bis zu 55°, einer sehr starken Treibladung und dem überlangen Rohr konnte die Gipfelhöhe in den oberen Teil der Stratosphäre in etwa 38 bis 40 km Höhe gelegt werden. Dadurch flog das Geschoss lange durch sehr dünne Luftschichten, so dass die Flugbahn weitgehend der eines Schusses im luftleeren Raum glich. Alle anderen im Ersten Weltkrieg verwendeten Ferngeschütze erzielten eine Reichweite von „nur“ etwa 40 km.

Bis Anfang 1918 wurden zwei weitere Paris-Geschütze gebaut, die zusammen im Rahmen der deutschen Frühjahrsoffensive am 23. März 1918 erstmalig aus der 1. Stellung, dem Wald von Saint-Gobain bei Crépy-en-Laonnois zum Einsatz kamen.

Die Geschosse erreichten eine Flughöhe von etwa 40 km und eine Flugzeit von drei Minuten. Die mehrteilige Treibladung aus Messing-Kartusche und zwei Treibladungsbeuteln wog bis zu 196 kg. Um eine gleichmäßige Leistung zu erreichen, wurden die hochbrisanten Treibladungen aus Röhrenpulver C/12 bei konstant 15 °C temperiert nahe der Geschützstellung gelagert. Während den etwa durchschnittlich 20 Minuten zwischen den Schüssen musste der jeweils vergrößerte Ladungsraum ausgemessen, die Gasdruck-Messungen ausgewertet und zahlreiche Berechnungen ausgeführt werden. Neben den üblichen Einflüssen beim Artillerie-Schießen waren weitere bedeutende, bisher unbekannte Faktoren zu berücksichtigen. Die Schussweite von etwa 130 km, gemessen auf dem Umfangs-Kreis der Erdkugel, verkürzte sich als Sehne betrachtet um etwa 800 Meter. Aufgrund der überlangen Geschoss-Flugzeit war sogar die Drehung der Erdkugel während dieser Zeit bei den Schusswerten zu berechnen, sodass der Beschuss eigentlich ein Schießen mit Vorhalt auf ein sich bewegendes Ziel war.

Beschussbild von Paris
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#3 RE: 21-cm-Kanone L/162 (Paris- oder Wilhelmgeschütz) von hadischa 14.04.2020 20:53

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Wirkung im Zielgebiet

Zitat
Auch wenn in der Fachliteratur mitunter von dem Paris-Geschütz geschrieben wird, wurden insgesamt drei derartige Kanonen eingesetzt. Die Paris-Geschütze hatten aufgrund ihrer Verwendung gegen die Zivilbevölkerung keinerlei militärischen Nutzen. Durch die Treffer in Paris wurde der gewünschte psychische Effekt mit Verwirrung und Angst zunächst erzielt, der aber wegen der geringen Sprengladung der Granate und der erkennbar mangelnden Präzision der Feuerleitung nach kurzer Zeit verpuffte. Insgesamt wurden 256 Zivilisten getötet und 620 verwundet, davon gab es allein 88 Tote und 68 Verwundete bei einem Treffer auf die Pfarrkirche Saint-Gervais-Saint-Protais während des Karfreitags-Gottesdienstes am 29. März 1918 nachmittags. Die deutsche Propaganda nutzte diese angeblichen Erfolge jedoch, um die Moral der Heimatfront zu stärken.


Obwohl es eine Artillerieverwendung an Land war, lag die Bedienung in den Händen der Marine, da diese mit größeren Geschützen mehr Erfahrung besaß. Eine Geschützmannschaft bestand aus 60 bis 80 Marinesoldaten, zuzüglich einer Gruppe ziviler Ingenieure für Technik und Vermessung. Die Gesamtleitung des Schießens lag bei Vizeadmiral Maximilian Rogge. Auf deutscher Seite waren die Erwartungen so groß, dass am ersten Einsatztag sogar Kaiser Wilhelm II. die Stellung besuchte und das Schießen beobachtete.



Quelle: Wiki

#4 RE: 21-cm-Kanone L/162 (Paris- oder Wilhelmgeschütz) von hadischa 14.04.2020 21:25

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Das Ende der Geschütze

Zitat
Bereits in der 1. Stellung explodierte am 25. März beim Abschuss eines der drei Geschütze, wobei siebzehn Soldaten der Bedienungsmannschaft starben. Die verbliebenen Paris-Geschütze feuerten aus den drei verschiedenen Stellungen bis zum 8. August 1918, zuletzt wieder bei Beaumont-en-Beine, insgesamt etwa 400 Geschosse ab. Die durchschnittliche Feuergeschwindigkeit lag bei 8 Schuss pro Tag. Etwa 180 Granaten trafen Paris verstreut innerhalb der Altstadt, die restlichen die Außenbezirke. Aufgrund der sich ständig verschlechternden militärischen Lage und des deutschen Rückzuges war das Ziel bald nicht mehr zu erreichen. Die zwei verbliebenen Geschütze wurden mit ihren Ersatzrohren von der Front zurückgezogen und verschrottet. Auch die Konstruktionspläne wurden von den Deutschen versteckt oder vernichtet. So ließ sich nach der Kapitulation trotz Suche bei Krupp für die Alliierten nicht mehr nachvollziehen, wie eine derartige Kanone hätte gebaut werden können. Ein Relikt blieb die Betonbettung des ersten Geschützes in der Stellung bei Crépy-en-Laonnois. Ein weiteres Relikt findet sich am Ort der letzten Stellung im Wald von Chatel, nördlich von Château-Thierry. Hier wurde eine Metallbettung verwendet. Sie hinterließ ein im Wald bis heute erhaltenes kreisrundes Loch. Auch finden sich Reste von Erdarbeiten in Form von Wällen für die Schienenzuführung östlich des Loches im Wald in Richtung der vorhandenen Bahnlinie.

Die große Reichweite wurde später von keinem konventionellen Geschütz mehr wesentlich übertroffen. Nach dem Ersten Weltkrieg baute Frankreich eine etwa gleiche Kanone, das Eisenbahn-Ferngeschütz Modell 23, mit Kaliber 21 cm, Reichweite 120 km, Geschossgewicht 108 kg und v0 1450 m/s. Im Zuge der Wiederaufrüstung gab die deutsche Wehrmacht dann die K 12 in Auftrag. Spätestens zu dieser Zeit waren derartig weittragende Geschütze überholt, da ihr Einsatzzweck nun wesentlich einfacher durch Luftangriffe erreichbar war. Die Gipfelhöhe des Parisgeschützes wurde erst von der V2 übertroffen. Eine späte Fortsetzung dieses überdimensionalen Geschützbaus fand sich in den sechziger Jahren im Projekt HARP des Kanadiers Gerald Bull.



Quelle: Wiki

#5 RE: 21-cm-Kanone L/162 (Paris- oder Wilhelmgeschütz) von OldMan 15.04.2020 10:14

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Vom "Paris-Geschütz" hörte ich als Knabe erstmals von meinem Großvater, der als Angehöriger der Pirnaer Pioniere wohl auch (erinnere mich nicht mehr genau) in Frankreich war. Ob er an den Vorbereitungsarbeiten (Bau der Stellungen) beteiligt war oder ob er mir das nur erzählte, weiß ich auch nicht mehr. Tatsache ist, dass ich damals Ende der 50er Briefmarken sammelte und mir die so genannten "Kriegsmarken"-Sätze (Darstellungen von Waffengattungen der Wehrmacht u.ä.) in die Hände gerieten. Da war auch von einem Eisenbahngeschütz der Wehrmacht die Rede und in diesem Zusammenhang erklärte Großvater mir diese Geschichte, dass es schon im WK1 solche Riesen-Dinger gab ...

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