#1 La douce France und wir... von OldMan 04.04.2019 21:14

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Ich richte mal einen solchen thread ein, denn Frankreich ist unser größter Nachbar im Westen und eine teils leidvolle Geschichte verbindet uns mit diesem so schönen Land, so dass wir hier über die freudvollen Erlebnisse, die wir mit verschiedenen Gegenden dort verbinden können, reden (d.h. schreiben) sollten.
Das gibt auch für die, die irgendwann dort Zeit verbringen wollen, vulgo dort Urlaub machen wollen, diese oder jene Anregung her, wenn darüber berichtet wird. Und dann: Für ehemalige Soldaten sind historische Ereignisse kriegerischer Art in diesem Land allgegenwärtig; Ereignisse, die nicht erst im 19. und 20. Jahrhundert die Gestalt Europas beeinflussten sondern bereits viel früher, wenn ich an die Schlacht von Bouvines denke, die die Kaiserwahl im Heiligen Römischen Reich zugunsten der Staufer beeinflusste... Oder jene 1477 bei Nancy, in der Karl der Kühne unterging: In der Folge "übernahm" der nachmalige Kaiser Maximilian I. das Burgundische Erbe, dass zum jahrhundertelangen Gegensatz zwischen Habsburgern und französischem Königtum führte...
Denken wir auch im Zusammenhang mit dem "Brexit" an die Zeit des 100jährigen Krieges, an Crecy und Azincourt, an die "Jungfrau von Orleans" und die europäischen Veränderungen, die daraus resultierten.
Ich will das gar nicht weiter ausführen sondern um freundliche Beiträge bitten. Und: Macron oder Sarkosy oder Hollande oder Chirac oder wer noch sind nicht Frankreich. Zu altem Einfluss in Europa und der Welt führte es de Gaulle.

OldMan

#2 RE: La douce France und wir... von OldMan 19.04.2019 19:22

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Zum Brand von Notre-Dame de Paris haben wir schon anderswo einige Bemerkungen gemacht.
Grausig ist, wie man vernimmt, dass sich bereits falsche "Spendenaufrufer" eingestellt haben, die das Entsetzen des kultivierten Europa, ja, der ganzen zivilisierten Welt, in hochkrimineller Weise auszubeuten versuchen. Wer die Absicht hat zu spenden, muss genau aufpassen. Momentan kann ich dazu keine wirkliche Angabe machen.
Es erscheint müßig, von dem Bauwerk als solchem und seiner Baugeschichte zu schreiben, das ist alles sehr gut bei Wikipedia und anderswo dokumentiert und nachlesbar.
Interessant scheint mir eher, die historischen Ereignisse, die sich um und an Notre-Dame abgespielt haben, zu betrachten.
1314 wurde vor der Kathedrale Jaques de Molay, der letzte Großmeister, und einer seiner Gebietiger auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Eines der wichtigsten am nahenden Ende der Bautätigkeit an der Kathedrale war der Abschluss jener Affäre, die als die Aufhebung des Tempelherren-Ordens durch Philippe IV. le Beau (der Schöne) in die Geschichte Frankreichs eingegangen ist. Noch heute beschäftigen sich Mystiker wie Historiker mit den Ereignissen darum und an sich. Fakt ist, dass der Orden, gegründet von einigen armen Rittern, im Laufe seiner "Tätigkeit" im "Heiligen Land" zu unermesslichem Reichtum gelangte; im Zusammenhang damit geradezu modern anmutende Bankgeschäfte tätigte und daher sogar seitens der französischen Könige mit Aufbewahrung des königlichen Schatzes Frankreichs beauftragt wurde und dies auch in der Tat war (Aufbewahrung im "Temple", einem heute nicht mehr vorhandenen festungsartigen Bauwerk in Paris). Philipp der Schöne konnte dies aus Gründen politischer Beweglichkeit nicht mehr dulden. Mit Genehmigung des Papstes, neugewählt, vorher Erzbischof Bertrand de Got, dann Clemens V., nach gewaltsamer Absetzung des Vorgängers, Bonifazius III., konnte in einer konzertierten Aktion in Frankreich fast jede Komturei der Templer aufgehoben werden. Man setzte die Ritter gefangen, wenige entkamen. In anderen europäischen Ländern wurde kaum gegen die Templer vorgegangen, jedenfalls nicht mit Gefängnis und Folter. In Frankreich profitierte der König von den eingezogenen Schätzen, Teile wurden jedoch beiseite geschafft und um diese weben sich bis heute irgendwelche Grals-Sagen.
Während seines Flammentods verfluchte Molay sowohl den Papst (der 1309 seinen Sitz von Rom nach Avignon verlegte) als auch den König, kann die Sage berichten. Und, 1314, wenig später starben sowohl der schöne König als auch der unterwürfige Papst (der übrigens nachweislich nicht von der Schuld der Templer, die in unchristlichen Riten und Schweinereien bestehen sollte, überzeugt war), also im selben Jahr, als Molay, der alle Geständnisse widerrief, in den Flammen umkam.

Über diese Dinge ist zahlreiche Literatur erschienen, vieles davon ist allerdings oft Spekulation, denn an manchen Stellen ist die Faktenlage recht dünn.

OldMan

PS. Mal wieder Victor Hugo lesen und mit Quasimodo an Esmeralda denken (A. Quinn und G. Lollobrigida)...

#3 RE: La douce France und wir... von OldMan 21.04.2019 10:28

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Wenn Macron gedacht hatte, angesichts der nationalen Katastrophe mit Notre-Dame eine gewisse Ablenkung von anderen inneren Problemen zu schaffen, so ist das sichtlich mißglückt: Wieder waren die Gelbwesten unterwegs in Paris, wieder forderten Tausende seinen Rücktritt.
Recht so, die Franzosen machen es uns vor. Die von Macron eingeleiteten Reformen, wenn sie denn so genannt werden können, richten sich durch die Bank gegen den ohnehin schon bescheidenen Status Quo des "Mannes auf der Straße".
Daran ändert sich nichts, selbst wenn hiesige und anderswo beheimatete Neoliberale feststellen, dass diese Macron'schen Maßnahmen notwendig wären, Wirtschaft (vor allem) und Gesellschaft voran zu bringen. Es geht darum, dass die französischen ungeheuer abgehobenen Eliten den Rahm abschöpfen; sie werden den Teufel tun, dem "Petit-Maitre" etwas abzugeben. Im Gegenteil, man will dem unter Vorspiegelung der Tatsache, dass es zu seinem Nutzen sei, noch mehr Beschwernisse machen.
Ich denke, dass die bei den Gelbwesten-Demonstrationen auftretenden Randalierer "Agents provocateurs" sind: Natürlich habe ich keine Beweise dafür, aber der Verdacht liegt nahe. Damit kann man diese Bewegung diskreditieren und dafür halte ich französische Eliten (nicht nur, aber auch von der ENA u. a.) für skrupellos genug, das zu tun...

OldMan


PS. Der Film mit Charles Laughton als Quasimodo und Maureen O'Hara ist natürlich genauso gut, wenn nicht gar noch intensiver inszeniert.

#4 RE: La douce France und wir... von OldMan 02.05.2019 10:39

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Heute, Freunde, jährt sich Leonardo da Vincis Todestag zum 500. male: Er starb in Amboise (Frankreich/Indre-Loire), im Schloß Clos Lucé, nahe dem Königsschloss. Vor einigen Jahren besuchte ich mit meiner Frau die Loire-Gegend, u.a. auch Amboise mit seinem Schloss.
Leonardo wurde von König Francois I. (Franz I.) nach Frankreich geholt, sozusagen per "brain drain". Das war in jenen Zeiten üblich und viele Italiener, Diplomaten, Kaufleute und Künstler, machten ihr Glück bei den Franzosen. Ich erinnere hier z.B. an den Bankier di Gondi, dessen Nachfahre der in den Fronden gegen Louis XIV. bekannt gewordene Kardinal Retz war, oder an Concino Concini, den Marschall (und Marquis de) Ancre, der von Louis XIII., seinem bitteren Feind, auf der Louvrebrücke getötet wurde... Nicht zuletzt erinnere ich an die Medicis, zwei Damen, die als Königinnen unheilvolle Rollen in Frankreich spielten: Catherine und Maria. Oder denken wir an Kardinal Mazzarini (Mazarin)...
Mit Leonardo verbinden sich nicht nur der Blick auf die wenigen Gemälde (deren berühmtestes im Louvre zu besichtigen ist, die "Mona Lisa") sondern auch der auf die vielen ingeniösen technischen, seiner Zeit oft weit vorausgeeilten Erfindungen (meistens nicht wirklich ausgeführt, aber eben gezeichnet). Darunter, unter letzteren, gab es jede Menge militärische bzw. militärisch nutzbare Gedanken und Vorschläge, vom Festungsbau bis zum frühen gepanzerten Fahrzeug.

In einer Zeit, in der europaweite Auseinandersetzungen zwischen den Valois und den Habsburgern (in Verfolg der Auseinandersetzungen um das gewaltige burgundische Erbe) stattfanden, die sich gerade auch in Italien abspielten, waren diese Gedanken "Goldes wert" und Franz I. beschenkte Leonardo mit jenem Schloss Clos Lucé und hielt ihn als Ideenspender und Künstler (auch der Kriegskunst!) hoch in Ehren.

Gedenken wir also des Genies, nicht nur als gewaltigem Renaissance-Künstler, sondern auch als Soldat (der er aber nie wirklich war).

OldMan

PS. Bilder von links: Schloss Amboise von der Loire aus gesehen; Schloss Amboise innen, Blick über die Stadt Amboise von der Schlossmauer, Blick vom Schloss auf die Loire...|addpics|myn-b-14a0.jpg,myn-c-2d9f.jpg,myn-d-05ab.jpg,myn-e-9d35.jpg|/addpics|

#5 RE: La douce France und wir... von OldMan 29.06.2019 09:54

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Im Zusammenhang mit meinen bisherigen Postings zum Thema Frankreich steht ein Post, den ich als Thema im Reservistenforum eingerichtet hatte: 500 Jahre Inthronisation von Carlos I. von Spanien als Karl V. im Heiligen Römischen Reich. Er setzte sich gegen den anderen Kandidaten, den französischen König Francois I. mit dem Geld der Fugger durch. Hier der Artikel:

Anfangs des Jahres 1519 starb Kaiser Maximilian I., genannt auch "der letzte Ritter" oder ebenso "der Bürgermeister von Augsburg" (hier hielt er sich besonders gern auf). Sein Enkel, Karl I. (Carlos I.) von Spanien, wurde in seiner Eigenschaft als nach dem Tode seines Großvaters nun österreichischer Erzherzog einstimmig von den sieben Kurfürsten des Reiches zum Nachfolger gekiest. Dies bewerkstelligte mit seinem Geld Jacob Fugger, der die Großen des Reiches kaufte. Zuvor war Friedrich (der Weise) von Wettin (ernestinischer Linie), Kurfürst von Sachsen, von einer Kandidatur freiwillig zurückgetreten.
Wie kam es, dass ein Spanier (übrigens gegen den französischen König Franz I. (Francois I.), den die Reichsritterschaft in Teilen unterstützte) auf den Kaiserthron des Heiligen Römischen Reiches gelangte?
Nach den verheerenden Niederlagen des (Valois-)Herzogs Karls des Kühnen von Burgund (Charles le Temeraire) gegen die Schweizer und gegen den Lothringer Herzog Renat II. (Rene II. de Vaudemont) gelangte das gesamte reiche "Burgundische Erbe" mit Maria von Burgund, der einzigen Tochter und alleinigen Erbin Karls des Kühnen, über eine (bereits vor dem Tode des Herzogs abgesprochene) Eheschließung mit Maximilian (Sohn Kaiser Friedrichs III. von Habsburg) in dessen Hände. Da der französische Teil des Herzogtums Burgund lehensrechtlich nur im Mannesstamm (salisches Recht) vererbbar war, kam es dazu, dass der französische König Ludwig (Louis) XI. diesen Teil als erledigtes französisches Lehen an sich riß. Er wollte letztlich auch den flämischen Teil des Erbes (dessen lehensrechtliche Stellung aber anders gestaltet war) einziehen; dem aber widersetzte man sich dort und mit Hilfe Maximilians verblieb dieser Teil des vormaligen burgundischen (Groß-)Herzogtums bei den Habsburger. Maximilian musste im Anschluss an die Wirren nach dem Tode Karls des Kühnen gegen Frankreich und Ludwig XI. ziehen und schlug die Schlacht von Guinegate (1479). In der Folge weiterer Auseinandersetzungen nach dem frühen Unfalltod Marias von Burgund kam es zum Frieden von Arras (1482), nach dem Flandern an die Habsburger ging, Frankreich aber Gesamtburgund (Herzogtum Burgund und die Freigrafschaft Burgund), Artois und Picardie vereinnahmen konnte.
In der kurzen Ehe mit Maria kamen zwei Kinder zur Welt: Margarethe und Phillip (genannt "der Schöne"). Ohne jetzt das Gewirr der Zustände in den Niederlanden und Flandern aufzuspulen: Herzog Phillip heiratete die Tochter und Erbin Ferdinands II. von Aragon (nach dem Tode seiner Frau auch Regent in Kastilien), Johanna (genannt "die Wahnsinnige") und wurde später neben ihr als König inthronisiert. Da Johanna in sich quasi alle Erbansprüche auf Aragon, Kastilien und Leon vereinigte, war dieses Paar Herrscher in Personalunion über alle Teilkönigreiche Spaniens. Allerdings starben sowohl Ferdinand von Aragon als auch Phillip der Schöne von Habsburg wenige Monate nach der Inthronisation des Habsburgers schnell aufeinander. So blieben aus der Ehe zwei Söhne; der älteste war eben jener Carlos, der als Carlos I. nun mit dem Einverständnis Johannas der Wahnsinnigen seit 1516 König von ganz Spanien wurde.
Dieser junge Mann (1500 geboren) sollte als 19jähriger dann, durch seinen spanischen Großkanzler Mercurino Arborio di Gattinara zum „deutschen Kandidaten“ aufgebaut (eben als Habsburger Abkömmling), nach der Wahl durch die Kurfürsten römisch-deutscher Kaiser werden.
Nach seiner Wahl (und eigentlich auch schon vorher) sah er sich konfrontiert

mit dem französisch-österreichischen Gegensatz, der durch das "Burgundische Erbe" heraufbeschworen war und sich jahrhunderte durch die europäische Geschichte ziehen sollte und den daraufhin in seiner Zeit geführten Kriegen (Italien u.a.)

mit der "Reformation" und den folgenden Auseinandersetzungen im Reich als da waren "Großer deutscher Bauernkrieg" und der Krieg gegen den "Schmalkaldischen Bund" der Protestantischen Reichsstände

mit der schwierigen "Beherrschbarkeit" eines Reiches "in dem die Sonne nie unterging" infolge der Conquista in verschiedenen Erdteilen.

Dahinter stehen viele militärhistorische bedeutsame Ereignisse und eine gewaltige Veränderung in Strategie und Taktik des Einsatzes von Truppenkörpern, dies im Gegensatz zur "Ritterzeit". Der Übergang von der "Kavallerie", der gepanzerten Reiter, als schlachtentscheidende Waffe zur "Infanterie" wird markiert, wenn man so will, in der Person seines Großvaters, Maximilian ("der letzte Ritter"), der selbst in Person mit dem Spieß in der Hand in vorderster Front eines nach schweizerischem Vorbild organisierten flämischen Gewalthaufens bei Guinegate dem "Choque" der französischen Ritter entgegentrat.

OldMan

PS. Sollte jemand nach Dijon kommen: Den Herzogspalast mit zwei Tumben der Vorfahren Karls des Kühnen besuchen! Und wenn man trotz Fahrverboten von Tiroler Seite zufällig nach Innsbruck gerät: Ein Blick in die "Schwarzmander-Kirche" lohnt sich. Dort stehen die Bronzestatuen aller tatsächlicher und vermeintlicher Vorfahren (überlebensgroß) von Maximilian (und Karl und Ferdinand - letzterer ließ diese in Ehrung für seinen Großvater anfertigen). Interessant: Maria von Burgund, Johanna die Wahnsinnige von Kastilien, Karl der Kühne, Maximilian selbst als Kenotaph-Figur...
Die Fotos zeigen Karl und seinen Vater Phillippe le Bon von Burgund, Ferdinan von Aragon und Tochter Johanna die Wahnsinnige von Kastilien und Leon sowie den Kenotaph für MaximilianI.|addpics|myn-o-e471.jpg,myn-p-5c05.jpg,myn-q-9b8f.jpg|/addpics|

#6 RE: La douce France und wir... von OldMan 12.07.2019 11:11

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Weil ich im Beitrag #5 vom "Schmalkaldischen Bund" schrieb: Es gehört zwar nicht in einen thread zu Frankreich, stellt aber eine Beziehung zu Karl V. her, der ja Franz I. von Frankreich gefangen nahm (24.02. 1525) und im "Damenfrieden" von Cambrai (hier nachlesbar) frei kam. Karl V. musste sich in späteren Jahren kriegerisch mit den Protestanten im Reich auseinandersetzen, dem "Schmalkaldischen Bund". Eine entscheidende Schlacht fand nicht weit von meinem Heimatort (nahe Riesa und Strehla) bei Mühlberg (heute: Land Brandenburg) statt (24. April 1547 ): Sie beendete den "Schmalkaldischen Bund" und führte zur Gefangennahme von dessen Führer, dem ernestinischen Kurfürsten von Sachsen, Johann Friedrich des Großmütigen.
Die Stadt Mühlberg hat in historischen Klostergebäuden ein interessantes Museum eingerichtet, das ich eurer Aufmerksamkeit empfehle. Hat jetzt zwar nur mittelbar mit Frankreich zu tun, aber da ich letztlich dort war, dachte ich, ich könnte es hier erwähnen.

OldMan

#7 RE: La douce France und wir... von OldMan 09.04.2020 12:34

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Ich mach' hier mal ein wenig weiter: In Zeiten von Corona beschäftigt man sich ja fast ausschließlich mit der Kommentierung von Entwicklungen rund um das Virus, aber ich muss dazu sagen, dass mir dieser Hype, bei aller tatsächlichen Gefährlichkeit der Erkrankung, auf die Nerven fällt. Die Wahrscheinlichkeit, an diesem Virus zu erkranken, ist für den Einzelnen gering, wenn er sich an diverse Hygiene-Regeln hält. Punktum.

Zurück zu Frankreich: Ich hatte Gelegenheit, mit meiner interessierten Ehefrau 2018 die Normandie und Teile der Bretagne (schon mal 2007) sowie 2019 Burgund zu bereisen. Dabei war natürlich nicht alles zu besichtigen, zumal wir nicht, wie z.B. noch 2007, mit eigenem Auto unterwegs waren und daher auch nicht Haltmachen konnten, wo es uns beliebte. Man kann sich aber die Busreisen schon nach Geschmack passend machen. Und das taten wir denn auch. Gehen wir chronologisch vor: Zuerst die Normandie. 2013 starteten wir einen (letzten) Versuch, per eigenem Auto die Normandie zu durchreisen: Wir mussten abbrechen, weil ich bereits nach der ersten Übernachtung (toll: ein gräfliches Schloss!) dermaßen von Schwindel geplagt war, dass ich nicht geradeaus laufen konnte! Das war es dann; ich musste mir sagen, dass solche Fahrten, noch dazu in fremdem Land, von mir nicht mehr wirklich zu bewältigen sind.

So machten wir also eine organisierte Busreise mit: Ich muss aber sagen, dass das wirklich optimal war...
Erstes Ziel war Reims (da gibt es nicht viel zu sagen: Die Kathedrale!!) in der Champagne (natürlich auch eine historische Landschaft, mit der geschichtliche Ereignisse und Personen verbunden sind, die für Frankreich eine große Rolle spielten). Nach der Übernachtung dort ging es nach Rouen, allerdings nicht über die Route Nationale 31 (der direkte Weg) sondern auf der Autobahn mit einer größeren Kreisbogen über Amiens. Routes Nationales sind vielbefahren (kosten keine Maut), autobahnähnlich, aber eben auch verstopft, wie hier der Fall. Wenn man auch nicht viel davon gehabt hätte, man wäre ja nur vorbeigefahren: Aber man hätte den Genius Loci einatmen können; dem Geschichtsbewussten kann das aber oft schon um "interessanterer" Ziele Willens genügen... Wir wären an Compiegne und Beauvais vorbei gefahren: Zum ersteren Ort muss man wenig sagen: Die "Jungfrau von Orleans" wurde dort von den Burgundern gefangen genommen und den Engländern (die als Besatzungsmacht im Zuge des 100jährigen Krieges Teile Frankreichs beherrschten) ausgeliefert. Der englisch gesinnte Bischof Pierre Cauchon von Beauvais (da wären wir dann auch vorbeigefahren) machte ihr den Hexenprozess; in Rouen wurde sie verbrannt. Auch Soissons hätten wir berührt (da fällt uns Prinz Eugen von Savoyen aus dem Hause der Grafen von Soissons ein: Der brühmte habsburgische Feldherr; eigentlich ein Vaterlandsverräter, aber sein Vater (und wohl auch Mazarin) wollten ihn zum Priester machen, was er partout nicht wollte!)... Gut, ging wegen Staus nicht. Übrigens: Mit geeigneten Stichworten lässt sich (fast) alles bei Wikipedia nachlesen.
Nun also die andere Route durch geschichtsträchtiges Gebiet: Richtung St. Quentin über die Aisne, und Amiens, durch die Sümpfe der Somme (1. Weltkrieg), an La Fere vorbei (Richtung St. Quentin) und weiter nördlich Peronne (ich nenne hier nur einzelne Punkte, zu denen ich ein "besonderes Verhältnis" habe). La Fere ist für mich mehr literarisch ein Punkt: Wer kennt den Comte de La Fere noch? Richtig, Athos, einer der drei Musketiere, jenes Romans, der für mich in ganz jungen Jahren die französische Historie geradezu aufschloss!
Mit Peronne ist es etwas komplizierter: Dort steht (möglicherweise habe ich von der Autobahn aus erblickt?) der "Herberts-Turm" (benannt nach dem Grafen Her(i)bert (II.) de Vermandois, der in diesem Turm König Karl III. den Einfältigen umbringen ließ, einen der letzten Karolinger).
Aber diese Geschichte ist es nicht, die ich erzählen will: Sie hängt mit den Burgunderherzögen zusammen, jenen aus der Nebenlinie der Valois (und die ich im Folgejahr "besuchte").
Leider muss ich hier mal unterbrechen; wichtige familiäre Angelgenehiten zwingen dazu.

OldMan

#8 RE: La douce France und wir... von OldMan 11.04.2020 13:06

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Zum Herbertsturm: In den Jahren um 146x gab es in Liege (Lüttich) immer wieder ein Auflehnen der Bürgerschaft gegen den Bischof, einen Bourbonen. Lüttich war im Einflussbereich des (Groß-)Herzogs von Burgund gelegen, seit kurzem nach dem Tode Philipps des Guten sein Sohn Karl (genannt "der Kühne"). Der französische König, Louis XI., auf eine Schwächung seines größten und mächtigsten "Vasallen" (Nebenlinie des Königshauses, der Valois) aus, stiftete die Lütticher Bürger durch Emissäre gerade 1468 zu einem Aufruhr gegen den Bischof und damit auch gegen Karl den Kühnen an; jedenfalls gelangte dieses Verhalten letzerem zur Kenntnis. Gleichzeitig wollte Ludwig XI. den Herzog, von dem er dachte, der wüsste nichts davon, persönlich treffen und da letzterer mit Heeresmacht auf dem Weg zu seinen Besitztümern in Flandern war, auch um das "Lüttich-Ding" ein für alle mal zu klären, vereinbarte man Peronne als Treffpunkt und Begegnungsort.
Philipp de Commynes (oder Commynges, eigentl. van den Clyte) beschreibt das als einesteils glanzvolles Ereignis, andererseits kritisiert er, dass sich (in jenen Zeiten) gekrönte Häupter überhaupt in persona treffen, die Gefahr von Übergriffen sei zu groß.
Da also Karl der Kühne (franz. Charles le Temeraire) von Ludiwgs Ansinnen, die Lütticher gegen den Bischof aufzuhetzen und damit gegen den Burgunder auszuspielen, wusste, begrüßte er Ludwig scheinheilig am Tor von Peronne mit viel Gefolge. Inzwischen hatte er auch Nachricht, dass in Lüttich tatsächlich der Teufel los war und die Bürger den Bischof samt Gefolge am Leben bedrohten. Ludiwg hingegen wusste das nicht, der wusste nur, dass seine Emissäre in Lüttich insgeheim wühlten, so tappte er in eine zunächst gar nicht willentlich gestellte Falle des Herzogs Karl, der aber die Gelegenheit sofort erkannt hatte und ausnutzte. In seinen "Denkwürdigkeiten" beschreibt Commynes, der als Rat in unmittelbarer Nähe des Herzogs tätig war (später, 7. zum 8. August 1472, verließ er ihn unvermittelt über Nacht und trat in die Dienste Ludwigs XI. - sein Motiv ist völlig im Unbekannten; der Bruch mit Karl war ein Affront seinesgleichen!), dass, nachdem der König im Schloss von Peronne "untergebracht" worden war (mehrere Tage wie ein Gefangener, immer den Herbertsturm vor Augen, wo Karl der Einfältige ermordet wurde, voller Angst, wie berichtet), er und der Rat von Wijsen den unbeherrscht-wütenden Herzog davon zurückhalten mussten, dem König, seinem Lehnsherrn, an Leib und Leben zu gehen. Das wäre ein europäisches Verbrechen gewesen!
Herzog Karl konfrontierte dann ohne jede Ehrerbietung in den Gemächern, die man Louis XI. zugeteilt hatte und die man sofort streng bewachte, den König mit den Tatsachen, d.h. Kenntnis von seinen Emissären, auch dass diese "Erfolg" gehabt hatten und das nun Lüttich in hellem Aufruhr befindlich war. Louis XI. musste klein beigeben und sich gegen Lüttich erklären; er wurde auch gezwungen, mit gegen Lüttich zu marschieren und wenig später dann auch Lüttich zu zerstören. Dazu kam, dass er für seine Freiheit seinem Vasallen territoriale Zugeständnisse machen musste, die (statt, wie beabsichtigt mit dem Abfall von Lüttich seine Position zu stärken) seine bisherigen Bemühungen um eine Vergrößerung des Einflussgebietes seiner Dynastie völlig konterkarierten ... Äußerlich in gutem Einvernehmen trennte man sich und, war er es seit Thronübernahme von seinem Vater schon vorher nur zum Teil gewesen, nun war der König dem Herzog Todfeind und umgekehrt (Dies, obwohl in seiner Jugend Louis XI. sich zu seinem Großonkel Philipp dem Guten, dem Vater Karls des Kühnen, geflüchtet hatte, Aufruhrs gegen seinen Vater wegen, und beide, Karl und Ludiwg, Jugendfreunde im besten Sinne des Wortes gewesen waren).
Commynes zieht aus dem ganzen Vorfall die oben genannte Schlussfolgerung, dass Potentatentreffen unzweckmäßig sind, dass sich die Systematik der mittelalterlichen Vasallität einem Lehnsherrn gegenüber völlig aufgelöst hat und dass (zumindest in jenen Zeiten) reine Machtkalküle jede Beziehung zwischen Feudalen bestimmen.
Seine "Denkwürdigkeiten" wurden viel gelesen; da er dann im Dienste des französischen Königs eine Art "Super-Rat" und "Diplomat" war, galt das Buch als eine Art Lehrbuch für die diplomatischen und anderen "Praktiken", sozusagen als Ergänzung zu Macchiavellis "Il Principe" ("Der Fürst"); letzteres allerdings wesentlich radikaler und auch als ein Handbuch für Herrscher ausgerichtet; das Buch von Commynes hingegen ist gleichzeitig eine Art Tagebuch zur französischen Geschichte von Louis XI. über Charles VIII. (der sich so unglücklich in Amboise an einem Türsturz den Kopf einrannte und daraufhin wenig später starb) zu Louis XII. (aus der Nebenlinie Orleans der Valois).
Wer das ein wenig nachlesen will: Man hat ja Zeit in Tagen von diversen Viren. Walter Scott, der große schottische Romancier, hat ein Büchlein geschrieben, das mit einer fiktionalen Liebeshandlung ausgeschmückt, jene Tage in Peronne und Liege (Lüttich) historisch genau beschreibt (als Quelle dienten ihm die "Denkwürdigkeiten") und etwas farbig-spannender als das Ereignis trocken bei Commynes berichtet ("Der Bogenschütze des Königs").
Bis hierher erstmal: Das sind so Dinge (kein Witz!), die mir im Bus durch den Kopf gingen (und eben gelegentlich noch gehen). Und manchmal platze ich, weil ich das anderen zu gern mitteilen will. Viele im Bus pennten jedoch und interessierten sich nicht sonderlich: Nur die Reiseleiterin war froh, das sie mal nichts erzählen musste ...

OldMan

#9 RE: La douce France und wir... von OldMan 11.04.2020 18:50

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Unterwegs sind wir auch an Amiens vorbei: Diese Stadt mit ihrer Kathedrale wäre 2013 auch ein Zwischenziel auf der Fahrt von Verdun nach Rouen gewesen (ob man wirklich alles hätte abarbeiten können, sei mal dahin gestellt!). Wichtig hier: Der Beau Dieu am Mittelpfosten des Hauptportals der gotischen Kirche. Es wird gesagt (und ich bedaure unendlich, dass ich das nicht in Natura sehen konnte), dass diese Darstellung (um 1230) von vielen Generationen als die Erfüllung aller Vorstellungen von einem Abbild des Christus, Gottes Sohn, angesehen wurde. Es gäbe zwar, entnahm ich der einschlägigen Geschichtsliteratur, an anderen gotischen Kirchen (z.B. Reims) Bildnisse mit bewegterer Physiognomie als diese (ich kann dazu nichts sagen, weil ich "nur" Reims und Chartres, die zum Vergleich herhalten mussten, mehrfach sah) Figur, aber gerade das Sachliche und Ruhige des Ausdrucks fasziniert (kann man auf den Bildern nachvollziehen). Dazu kommt die Westfassade der Kathedrale, deren Skulpturen ein umfassendes, anschauliches und einmaliges Bildprogramm darstellen ... Hier: Leider nur in Englisch gefunden, zur Historie der Kathedrale. Der "Beau-Dieu" wird weiter unten (scrollen) erwähnt. Hier noch etwas zu seiner im Mittelalter wohl farbigen Gestaltung.

Für den Historie- und Architekturinteressierten in Corona-Zeiten zu lesen: Wilhelm Schlink, Der Beau-Dieu von Amiens. Das Christusbild der gotischen Kathedrale, Inselverlag, Frankfurt a. M., 1991, Taschenbuch 1316.

Warum mache ich das, über Orte zu schreiben, in denen ich nicht (aber bei denen ich) war? Soll für Interessierte eine Anregung sein, ebenso wie für mich das "Groß' Ergetzen, sich in den Geist der Zeiten zu versetzen" (sagt Wagner in Goethes "Faust") und das, was ich aus objektiven Gründen nicht sehen konnte (und wahrscheinlich auch aus Mangel an weiterer Lebenszeit nicht mehr zu sehen kriege!), vor dem geistige Auge vorbei ziehen zu lassen. Wen es nicht interessiert, der überlese.
Wer aber an solchen Orten war und vielleicht etwas beisteuern kann, den bitte ich herzlich, das auch zu tun. Wir alle werden dadurch nicht dümmer.

OldMan

#10 RE: La douce France und wir... von OldMan 14.04.2020 19:44

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Rouen, Hauptstadt der Normandie: Um den Wikinger-Überfällen zu steuern, schloss König Karl III., der Einfältige, Vertrag mit Rollo, dem Normannenanführer und übergab ihm Stadt und das Herzogtum in der Normandie. Hier finden wir Geschichte pur: Die Kathedrale mit reichem Bildwerkschmuck, die Zugehörigkeit der Stadt und des Herzogtums zum England des John Lackland (König Johann ohne Land, Bruder des Richard Löwenherz, dessen Grabmal in der Kathedrale zu finden ist), jenen Ort der Verbrennung der "Jungfrau von Orleans" auf dem Markt, eine interessante Altstadt und viele historische Gebäude, die geschichtenträchtig auf den Besuch warten (z. B. der "Uhrenturm") ... Rouen war während der Hugenottenkriege protestantisch: Erst lutherisch, später mehrheitlich calvinistisch. Die "Katholische Liga" eroberte Rouen 1562; verteidigt wurde die Stadt vom Grafen Montgomery (kein Brite); jenem Mann, den Katharina von Medicis, die Königinmutter, abgrundtief wegen des Todes ihres Ehemannes, Henry II., hasste (Beim Turnier war Montgomery vom König gezwungen worden, gegen ihn anzutreten; dabei bohrte sich beim Zusammenprall ein Holzsplitter der Lanze Montgomerys in das Auge des Königs, der daran wenige Tage später unter furchtbarem Leiden verstarb). Das berühmte Toleranzedikt von Nantes (Henry IV.), das verfügte, dass die Protestanten in ihren Gebieten in Ruhe zu lassen seien, so auch in Rouen, wurde bekanntermaßen von Louis XIV. (der "Sonnenkönig") aufgehoben: Daraufhin verlor Rouen dreiviertel der Einwohnerzahl durch Auswanderung (u.a. in die Niederlande und nach Kurbrandenburg). Im Krieg 1870 / 1871, dessen 150. Jahrestag des Beginns demnächst zu begehen wäre, war Rouen preußisch-deutsch besetzt. Und auch im Weltkrieg 2 haben sich die Deutschen nicht beliebt gemacht (Bombenangriffe durch die Alliierten!)
Heute ist Rouen eine moderne, lebensfrohe Stadt, touristischer Anziehungspunkt in der Normandie und nicht zuletzt Fluss- und Seehafen.
Ich zeige einige Fotos, um einen ersten Eindruck zu vermitteln:
1. Die Kathedrale von Rouen
2. Fassade und Vorfeld
3. Eine Situation in der Altstadt
4. Etwas Barockes
5. Der Bischofspalast (Hier wurde Jeanne d'Arc rehabilitiert)
6. Lädchen in der Altstadt gibt es viele malerische...

Irgendwie geht es jetzt mit den Bildern nicht weiter.
Hänge ich beim nächsten Mal mit an.

OldMan




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#11 RE: La douce France und wir... von OldMan 15.04.2020 11:58

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Ich wollte noch den "Tour d'Horloge" (den Uhrenturm) und den Marktplatz zeigen.
Zur Verbrennung der Jungfrau von Orleans auf diesem Markt gibt es verschiedene Geschichten, die bemerkenswert sind. Zunächst die "normalerweise" erzählte: Gefangennahme der Johanna bei Compiegne (als sie gegen die Burgunder, weil Verbündete der Engländer, kämpfte), die Burgunder lieferten sie an die Engländer aus, die ihr pro-forma einen Hexenprozess anhängten, durchgeführt vom Bischof von Beauvais (Pierre Couchon), Verurteilung, der inzwischen ja in Reims gekrönte Dauphin (nun König Charles VII. - Vater des von mir anderwärts erwähnten Louis XI.) hatte kein Interesse mehr an Johanna und bemühte sich nicht um ihre Freilassung etc. (und genau das wird heute teilweise bezweifelt), daher auf englischen Befehl Verbrennung in Rouen. Später Seligsprechung und Heiligsprechung, nun nationales Symbol in Frankreich.
Das ist die gewöhnliche Geschichte. Die andere, teilweise bestätigte, aber immer wieder auch in Frage gestellte "Theorie": Hier nachzulesen!
Bei allem Drumherum um so genannte "geschichtsrevisionistische" Anschauungen: Seltsam bleibt auf immer die Tatsache, dass in einer Zeit, in der man bei "Staatsverbrechen" (eingebildeten oder tatsächlichen) schnell mit dem Henker war, jene Jeanne des Armoises oder gelegentlich auch de Lys verschont am Leben blieb, ja sogar ziemlich machen konnte, was sie wollte. Dass man ein schwachsinniges Bauernmädchen als "Ersatz" verbrannte, erscheint in diesen Zeiten von "Unterschub" aller möglichen Dinge, von Urkunden bis zu Kindern(!!), durchaus möglich; die Rettung von Johanna ist durchaus denkbar, wenn sie aus dem Hochadel (was bestritten wird) kam. Dafür spricht der Adelsname, unter dem sie teilweise auftrat: Das "du Lys" bedeutet "von der Lilie" (und die Lilie ist jene goldene Pflanzendarstellung auf dem blauen französischen Königsbanner).
Es geht schon seltsam zu in der Historie. Nicht zu verkennen ist, dass solche Erzählungen zur Unterhaltung eines Hofes/adligen Haushalts auch gern erfunden wurden: Und nichts hört sich interessanter in einer Zeit bar jeder heutigen Vergnügungen an, wenn die Heldin (oder der Held) gerettet weiterlebt; eine "Avienture" eben ...

OldMan

Fotos: 1. Tour d'Horloge aus Richtung Kathedrale kommend / 2. derselbe vom Markt aus gesehen / 3. Platz der Verbrennung der Jungfrau von Orleans / 4. Der Markt / 5. Richard Löwenherz in der Kathedrale / 6. Wilhelm mit dem Langen Schwerte (ein Sohn Rollos des Normannen)|addpics|myn-38-a71c.jpg,myn-39-445d.jpg,myn-3a-8008.jpg,myn-3b-e639.jpg,myn-3c-4345.jpg,myn-3d-f38f.jpg|/addpics|

#12 RE: La douce France und wir... von OldMan 17.04.2020 12:10

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Sicherlich könnte man bei Rouen noch andere Geschichten erzählen; ich belasse es mal bei der (vermeintlichen?) Verbrennung der Johanna. Wir sind nach unserem Rundgang dann (wimre gleichen Tags nachmittags) nach Etretat an der Küste: Bekannter Badeort und berühmt auch für seine Kalk- und Kreidefelsen, die Tore ins Meer hinein bilden. Am bekanntesten ist wohl jenes Tor, das dem Aussehen nach wie ein Elefant seinen Rüssel ins Meer taucht (Felsentor Porte d’Aval und die Felsennadel Aiguille); man sieht sie sehr gut von der "Falaise d'Amont" ("Falaise" ist zwar auch der Name einer Stadt weiter im Inneren der Normandie und als Geburtsort Herzog Wilhelms des Eroberers bekannt, bedeutet aber auch Steilküste/Steilhang). Beim Laufen über die Uferpromenade fällt der Tidenhub gelegentlich ins Auge: Bis 7 m! man kommt übrigens auch an einem amerikanischen Lazarett/Kurhaus des ersten Weltkriegs vorbei, eine Tafel weist darauf hin. Beschwerlich ist es dann für den Ungeübten, auf die Falaise d'Amont hinauf zu gelangen: Wer es schafft, hat einen schönen Überblick über Ort, Küste und Porte d'Aval). Interessant und hierzulande wahrscheinlich wenig bekannt, ist das Denkmal, das man dem französischen Atlantik-Überquerungs-Flugversuch (1927) gewidmet hat. Hier wurde der "Weiße Vogel", wie die "Flieger-Asse" des WK1, Nungesser und Coli, ihr Flugzeug nannten, letztmalig auf dem Kontinent gesichtet (vor dem Atlantik dann nochmals über Irland). Wahrscheinlich ist es auch in Nordamerika angekommen (wäre also die erste Atlantiküberquerung noch vor Lindbergh gewesen); es gab verschiedene Aussagen von angeblichen Zeugen dazu: Tragischerweise hatten beide auf ein Funkgerät wegen der Startgewichts-Optimierung verzichtet, so dass keine Nachricht dazu erwartbar war (Hier bei Wikipedia nachlesbar!). Angeblich fanden Bauern in Maine Motorteile und haben sie dann für irgendwelche Basteleien genutzt: Das ist aber nicht mehr nachzuweisen. Auch Motorengeräusche wären zu hören gewesen, wegen tiefer Wolken gab es aber keine Sichtmöglichkeit ...
Ansonsten ist Etretat eben ein Seebad, aber sehr schön gelegen und am Weg zur Strandpromenade sind auch interessante Architekturzeugnisse verschiedener Zeiten zu sehen.
Wieder einige Bilder dazu:
1. Auf dem Weg zur Promenade 2. Mittelalterliches Haus (hierher versetzt von anderswo!!) 3. Promenade, im Hintergrund: Falaise d'Amont 4. Felsentor d'Aval 5. Nochmals: Von der Falaise aus gesehen 6. Blick auf Etretat 7. Der Steilhang ist ungesichert!! 8. Amerikanisches Lazarett 9. Laden (Apfelbranntwein - Calvados, Cidre - Apfelwein) 10. Komisch, die FDJ war wohl schon da ...11. Blick in den Souvenirladen nahe Vorplatz der Mairie ...

Noch etwas gefunden: L'Oiseau blanc - bei Wikipedia. Und noch hier (nur französisch, aber die Fotos sind toll):L'Oiseau blanc Denkmal in Etretat.

OldMan


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#13 RE: La douce France und wir... von OldMan 22.04.2020 11:14

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Hier dazwischen geschoben: 650. Jahrestag der Grundsteinlegung der BASTILLE (kleine Bastion - franz. Diminuitiv). Hier bei Wikipedia Interessantes dazu nachzulesen.
Vielleicht noch eine Bemerkung dazu: 1370 tobte seit 1346 (Schlacht von Crecy mit der Niederlage der Franzosen unter ihrem König Philippe VI. quasi als Beginn) der nachträglich von Historikern so bezeichnete "Hundertjährige Krieg" zwischen Frankreich und England, dessen König Edward III. Ansprüche auf den französischen Thron erhob. Die weitere Befestigung der Pariser Stadttore erschien also als dringende Notwendigkeit.

Am 14. Juli 1789 wurde dieses Festungswerk, dass seit Louis XIII. (das ist der, der in den "Musketieren" von Alexandre Dumas "mitspielt") auch und vor allem als Staatsgefängnis diente (berüchtigt durch die "Einlieferungspraxis" des "lettre de cachet"), erstürmt und diese Erstürmung zu DEM Symbol einer neuen Zeit (im Gegensatz zum "ancien regime; dem "alten (monarchischen) Herrschaftssystem"): Heute ist der 14. Juli der eigentliche Staatsfeiertag in Frankreich.
An sich wurden (obwohl das immer wieder so kolportiert wird) KEINE bedeutenden Persönlichkeiten oder prominente "Häftlinge" an diesem Tag befreit; ebenso stellte sich heraus, dass so gut wie keine wirklichen Folterinstrumente im Bauwerk für die "Bearbeitung" der Gefangenen vorhanden waren ...

Zurück in das Jahr 1370: Nachdem auch die zweite wichtige Schlacht gegen die Engländer bei Maupertuis (bzw. Poitiers) 1356 verloren gegangen war, musste sich der Sohn von Philippe VI., Jean II. (Johann der Gute), den Engländern, geführt von Thronfolger Edward of Woodstock ("Black Prince"), gefangen geben und wurde nach London (mit seinem jüngsten Sohn (später "le Hardi" genannt und "Gründer" der Dynastie der Valois-Nebenlinie in Burgund) Philippe) verbracht. Die französischen Stände mussten ihn freikaufen.
In den Folgejahren musste man sich in Frankreich mit marodierenden Engländern und diversen Söldnerscharen auseinandersetzen; diese Aufgabe ging dann an den die Krone übernehmenden Karl V. (Bruder des Philippe le Hardi von Burgund) über, der auch noch andere Interessen, aber immer gegen die Engländer gerichtet, in Südfrankreich / Kastilien verfolgte. In diesen Kämpfen zeichnete sich ein bretonischer Kleinadeliger namens (unsicher) Bertrand du Guesclin (Hier: Nachlesen bei Wikipedia ... ) aus.
Ab 1370 übernahm dieser den Oberbefehl über die königlichen Truppen und in zähem Zermürbungs(Klein)krieg drängte er den englischen Einfluss bis 1380 zurück. Erstmals soll bei den Belagerungen der englischen Festungen in Frankreich Artillerie gezielt zum Bresche schlagen eingesetzt worden sein.
Der König konnte sich in Paris erst einmal sicher fühlen ...

Im Jahr 2007 habe ich, auf dem Weg von Rennes nach St. Malo, in Dinan (an der Rance gelegen) übernachtet: Leider hatte ich wegen eines engen Zeitplanes betreffs der Überfahrt nach den Channel Islands wenig Zeit, Dinan die Aufmerksamkeit zu schenken, die es verdient. Eines aber bemerkte ich damals schon, ohne von Guesclin wirklich zu wissen, dass von diesem Mann ständig die Rede war (Gasthausschilder, Straßen, selbst im vor dem Mont St. Michel gelegenen Ort wimmelte es von "Guesclin" - sowas nennt man Nationalbewusstsein - nicht nur bei den Bretonen).

INteressant ist im Zusammenhang mit der Erstürmung der Bastille die Historie vom "Comte de Lorges", einem (angeblich) befreiten Staatsgefangenen: Leider ist es auf Englisch, aber etwas Deutsches fand ich nicht!

OldMan

#14 RE: La douce France und wir... von Fernaufklärer 22.04.2020 14:10

es kommt zwar nicht an die Bastille ran, aber in den BanLieus gehts trotzdem ganz schön ab

FA

#15 RE: La douce France und wir... von OldMan 23.04.2020 08:52

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Zitat von Fernaufklärer im Beitrag #14
es kommt zwar nicht an die Bastille ran, aber in den BanLieus gehts trotzdem ganz schön ab

FA


Ohja. Das ist DAS Problem. Und das fällt den Franzosen überall auf die Füße, nicht nur in Paris. Unseliges Erbe der Kolonialzeit! Die hätten von Algerien usw. die Finger lassen sollen. Und was mich immer wieder auch befremdet: Diese Typen zünden ja auch die alten Autos ihrer Nachbarn an ... Und das ist kein Versicherungsbetrug, denn da zahlt keiner.

OldMan

#16 RE: La douce France und wir... von OldMan 02.05.2020 13:21

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Weiter geht es über LeHavre und Honfleur (auf die ich nicht eingehen kann, alles kann man nicht in Augenschein nehmen: Ich bin dort durchgefahren) nach Caen, dem meine liebe Frau und ich besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen wollten. Schließlich ist hier der Überrest der Burg des berühmten Wilhelm des Eroberers, dessen Fahrt über den Ärmelkanal und Kampf bei Hastings (eigentlich bei Battle -kleiner Küstenort) im Jahre des Herrn 1066 zu der ständigen Zankapfelei zwischen England und Frankreich (eigentlich noch bis in die Neuzeit hinein) geführt hat. Wilhelm wurde außer der Ehe als Bastard seines Vorgängers geboren und musste sich gegen den Adel seines Herzogtums Normandie erst noch durchsetzen (s auch Wikipedia: "Wilhelm I. Von England.
Wir waren ein paar Jahre zuvor in 1066-Land (wie es die Briten bezeichnen) und haben das Schlachtfeld von Battle besichtigt (da ist auch immer mal reeanactment). Nun sind wir also hier und wollten die andere Seite -sozusagen- sehen. Caen selbst ist nicht sooo toll; vielleicht muss man da auch mehr Zeit aufbringen können. Tatsache ist, dass Caen fürchterlich bombardiert worden ist im letzten großen Krieg: Nicht durch die Deutschen!! Da man seitens der Alliierten, leider falsch, annahm, dass sich in Caen viel deutsche Truppen aufhielten bzw. hindurchgeleitet und versorgt wurden, flog man mehrere Angriffe, ohne sich großartig um die Zivilbevölkerung zu bekümmern. Die war daraufhin natürlich gar nicht gut auf die später einziehenden alliierten Truppen, aber natürlich ebenso auf die deutschen zu sprechen. Von den Wunden sieht man inzwischen nicht mehr wirklich etwas.
Wir wollten also die Burg, den Hauptsitz des Herzogs und Königs, besuchen: Die Überbleibsel der Herzogsburg, die Bestandteile der "Anbauten" folgender Zeiten und das Museum (und gerade das hatte geschlossen, aber davor ist man als Tourist mit beschränktem Zeitbudget nie gefeit).
Herzog und König: Als König hatte William the Conquerer mehr in England zu tun. Diese Stellung machte ihn gleichrangig mit dem französischen König, dem er aber als Herzog lehnspflichtig war; eine Widerspruch in sich, der zu den -bekannten- Konflikten führte. Jedenfalls legte William/Guillaume/Wilhelm den Grundstein für das so genannte "angevinische" Reich, diese Kopplung von Inselterritorium und seinem quasi-souveränen Landes-Eigentum auf dem Festland (denn auf das Lehnsrecht nahm er nur, wenn überhaupt gelegentlich, wenig Rücksicht, zumal das französische Königtum damals sehr schwach war und an wirklicher Hausmacht nur die "Ile-de-France" wirklich besaß). So erschienen die normannischen Herzoge dem französischen Königtum große Gefahr, die man sich vom Leibe halten musste. Ich will das hier gar nicht alles aufschreiben, bei Wikipedia ist das hier nachlesbar.
Nächstens stelle ich einige Fotos ein und erkläre ein wenig dazu.

OldMan

PS. Auf Bayeux und die berühmte Tapisserie dort ("Teppich von Bayeux") komme ich auch noch zu sprechen.

#17 RE: La douce France und wir... von OldMan 06.05.2020 20:39

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Beim Betreten der Burg von Caen, die in ihrer Baugeschichte zeitlich von der Burg mit Donjon des Wilhelm über spätmittelalterliche An- und Erweiterungsbauten bis hin in die Neuzeit (Vauban) einzuordnen ist, findet man an markanten Stellen Orientierungstafeln, die das Ausmaß des Baues und seine Bestandteile zeigen. Wenn man es erkennen kann, links unter Nr. 9 findet sich ein Barbakane (also ein Vor-Tor mit Verteidigungswällen bzw.-mauern. Das Viereck bei Nr. 2 ist der Grundmauern-Bestand der ehemaligen Herzogsburg aus dem 11. Jahrhundert (mit Donjon, im 12. Jahrhundert fertiggestellt), der freigelegt und zu besichtigen (von außen, Tafeln mit Hinweisen dazu) ist. Nr. 10 ist ein gotisches Überbleibsel (hier befindet sich die Information nebst Shop - sehenswert ist das gotische Torgewände), Nr. 13 (das "normannische Museum") ist der Vauban-Rest (ehemaliges Kasernengebäude zu Louis XIV. Zeiten); daneben, nach links zu und dann im rechten Winkel sind die Vauban'schen Festungsmauern.
Ich habe mal einige Fotos zur Illustration angefügt. Weiteres folgt demnächst ...

OldMan

PS. Die Fotos in der Reihenfolge: 1. Lageplan, 2. Museum der Normandie (Vauban-Bau), 3. Blick auf die Festungsmauern (Vauban), 4. Blick in die Stadt von den Festungsmauern (links von Nr. 13), 5. Eckturm zwischen den links befindlichen und den oben befindlichen Mauern, 6. Blick von den Mauern auf das Grundmauern-Geviert der Herzogsburg|addpics|myn-42-9307.jpg,myn-43-022a.jpg,myn-44-6087.jpg,myn-45-7d47.jpg,myn-46-c1e4.jpg,myn-47-c262.jpg|/addpics|

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