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#21 RE: "Atom-Tag" von OldMan 28.01.2019 22:41

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Wieder was gelernt, @hadi. Bei uns ist der Spirituskocher so gut wie nie genutzt worden! Ich habe das Ding erst privat genutzt: Eines Sonntags, als ich auf der Baustelle unseres (AWG-)Hauskomplexes in Coswig mittags herumhing, habe ich das Ding "aufgebaut" und mir tatsächlich in einem mitgebrachten Topf (hatte ich auf dem Moped-Gepäckträger im "Sturmgepäck") eine Suppe gekocht. Ja, so war's. Ich glaube irgendwann nochmal, dann hatt' ich keine Spiritustabletten mehr und war zu faul, welche zu besorgen.

@KSdt42, vielen Dank für die Untersuchung zum Wort "Komplekt/e": Ich hatte seinerzeit meinen Vater gefragt, ob es sowas in der Wehrmacht (er war bei der Kriegsmarine) auch gab. Er wusste es nicht, kannte es nicht und er meinte, vielleicht auch deswegen nicht, weil er erst nach Kriegsbeginn (1940 / Jg. '22) eintrat und es da anders als beim "Friedensmilitär" lief. Heute wissen wir: Die Russen haben es erfunden. Ich denke aber mal, dass es in vielen Armeen der Welt, wenn auch vielleicht nicht einheitlich geregelt, solche "Umwälzungen" von konservierten Lebensmitteln gab und gibt... Oder? Kennt jemand Beispiele? Und was macht die Bundeswehr? (Hier sind übrigens wie man lesen konnte 25.000 Stellen unbesetzt!!)

OldMan

#22 RE: "Atom-Tag" von KSdt42 29.01.2019 11:18

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[quote=OldMan|p1162]Wieder was gelernt, @hadi. Bei uns ist der Spirituskocher so gut wie nie genutzt worden! Ich habe das Ding erst privat genutzt: Eines Sonntags, als ich auf der Baustelle unseres (AWG-)Hauskomplexes in Coswig mittags herumhing, habe ich das Ding "aufgebaut" und mir tatsächlich in einem mitgebrachten Topf (hatte ich auf dem Moped-Gepäckträger im "Sturmgepäck") eine Suppe gekocht. Ja, so war's. Ich glaube irgendwann nochmal, dann hatt' ich keine Spiritustabletten mehr und war zu faul, welche zu besorgen.

Bei meiner ersten "West-Tour", mangels Westgeld hat mir der "Kocher" auch gute Dienste geleistet.

#23 RE: "Atom-Tag" von hadischa 29.01.2019 11:34

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Ich hatte mal die Aufgabe, noch im AR-1, als milit. Chef eine Fahrzeugkolonne Fahrschüler zu führen.
Technisches Begleitpersonal, die Fahrausbilder, waren auch anwesend.
Also Aufgabe klargemacht, alles vorbereitet, Marschbefehl und ab ging die Post.
Ziel war ein Raum bei Stechow, Straße nach Nennhausen, rein im Busch.
Unterziehen, tarnen usw., alles junge Militärkräfte, da hatte man zu tun.
Danach war Verpflegung angesagt. Na, dass war zum Teil ein Drama, die Jungs machten
ihre Pakete auf und staunten was da so drinne war. Auch da hatten wir zu tun um zu erklären und
zu zeigen wie man eine schmackhafte Suppe (Erbsen, Linsen u.a.) im Feld und auf der Heid(i)e kocht.
Ausbildung, beginnend mit Benutzung Büchsenöffner, Herstellen der Kochbereitschaft des Kochers und
Nutzung der Spiritustabletten.
Da begriff ich, warum ich Hauptmann und Offizier war.

#24 RE: "Atom-Tag" von OldMan 30.01.2019 18:56

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Zitat von hadischa im Beitrag #23
Ich hatte mal die Aufgabe, noch im AR-1, als milit. Chef eine Fahrzeugkolonne Fahrschüler zu führen.
Technisches Begleitpersonal, die Fahrausbilder, waren auch anwesend.
Also Aufgabe klargemacht, alles vorbereitet, Marschbefehl und ab ging die Post.
Ziel war ein Raum bei Stechow, Straße nach Nennhausen, rein im Busch.
Unterziehen, tarnen usw., alles junge Militärkräfte, da hatte man zu tun.
Danach war Verpflegung angesagt. Na, dass war zum Teil ein Drama, die Jungs machten
ihre Pakete auf und staunten was da so drinne war. Auch da hatten wir zu tun um zu erklären und
zu zeigen wie man eine schmackhafte Suppe (Erbsen, Linsen u.a.) im Feld und auf der Heid(i)e kocht.
Ausbildung, beginnend mit Benutzung Büchsenöffner, Herstellen der Kochbereitschaft des Kochers und
Nutzung der Spiritustabletten.
Da begriff ich, warum ich Hauptmann und Offizier war.


@hadi, das war eben noch "Schule der (männlichen) Nation" (denn die jungen Militärkräfte waren wahrscheinlich bis 18 bei Mutti und konnten noch nicht mal einen Bettbezug füllen...!). Im Laufe der Jahre ließ die "Selbständigkeit" der Vaterlandsverteidiger hinsichtlich solcher lebensnotwendigen Prozesse rapide nach; die Jungs der 60er "konnten" mehr als die der 70er und gegen Mitte/Ende 80 kamen dann meistens welche, die sich bei Hausarbeiten immer auf die Alten oder andere verlassen haben... Da war man als Offz./Uffz. gleich noch "Lebenshilfe" bei vielem. Hat im Übrigen keinem geschadet.
Ich habe in den MGA auch Bettbeziehen usw. vorgeführt, aber auf die Idee, mal den Kocher anzuwerfen, sind wir irgendwie nicht gekommen (war vielleicht auch gut für die Waldstücke, in denen wir untergezogen hatten). Aber (richtig) Lagerfeuer anmachen konnten die meisten ebenfalls nicht... Und (Wurst-)Büchsen öffnen war auch ein Skandal, das ging am Atomtag schon beim Frühstück los: Bin nur froh gewesen, dass sich keiner einen Finger abgeschnitten hat.

OldMan

PS. Bei einer US-Abschlussübung hatten mal ein paar der Jungs auf angrenzendem Feld einen liegengelassenen Traktorreifen gefunden. Ehe ich etwas davon mitbekam, war es zu spät und ich konnte nur noch beten: Die haben den im Ganzen auf die Feuerstelle gekippt. Eine turmhohe Feuersäule konnte dann als "Lehrvorführung" wie man es keinesfalls machen sollte "genutzt" werden. Auseinanderzerren des Feuers ging auch nicht mehr richtig, nur noch kontrolliert ( :-) ) abbrennen lassen... Ich erinnere mich nicht mehr, ob das ein Nachspiel hatte, aber wahrscheinlich ist es schon.

#25 RE: "Atom-Tag" von Phobos2.1 14.02.2019 22:58

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Da bin ich aber froh, dass wir bei der Marine waren.....
Nein, war Spaß.
Wie das jetzt genau in Parow war ist mir etwas abhanden gekommen, aber in der Art gab es da so etwas auch.
In den Flottillen war das dann ganz locker.
Abrechnungsmäßig mussten wir (theoretisch) auch einen Komplektetag einlegen. Wir hatten für insgesamt 5 Tage a 35 Portionen Komplekte an Bord und mussten natürlich davon jeden Monat 35 Portionen wälzen. D.h., wir bekamen 35x neu und mussten ebensoviele verbrauchen.
Mit etwas Mühe und Einfallsreichtum waren diese 35 Portionen aber eigentlich ein gefragtes "Zubrot" für die normale Verpflegung.
Zum einen, weil die Büchsen gut gingen (zum Chester sag ich noch was), zum anderen, weil wir auf See um 24 Uhr zum Wachwechsel ja einen sog. Mittelwächter anboten, d.h. ein warmes Essen um Mitternacht für beide Wachen.
Da boten sich die Eintöpfe ideal an (die Ochsenschwanzsuppe gab es tatsächlich und war in Pappbüchsen, ähnlich den Bohnerwachsbüchsen, verpackt.)
Tee (Komprimat), Wurstbüchsen, Eintöpfe usw., alles kein Problem.
Nur der Chester.......
Ich hatte ja nun so im Durcxhschnitt alle zwei Jahre einen neuen Koch an Bord und wir haben zeitlebens probiert ob man aus dem Käse etwas wirklich schmackhaftes machen kann - vergeblich!
Wir haben überbacken probiert (Herd war ja ständig da), als einziges Ergebnis kam die Anfrage von der Brücke was denn da so stinkt.....
Das Zeug war zwischen den Zähnen so klebrig, dass der Witz umging, diese Masse als Panzersperre gegen die NATO zu verwenden - kein Panzer wäre da durchgekommen.
Übrigens: Das Schmalzfleisch...
Zwiebeln, Gurke, Gewürze, etwas Tomatenmark (gab es bei uns) und das Schmalzfleisch gut verrührt. Eine Nacht stehenlassen und dann aufs Brot. Schmeckt fast wie Gehacktes.
Das Zeug hielt sich keine halbe Stunde, dann hatten unsere Jungs das weggeputzt....
Ging auch mit der Leberwurst!
Wir waren ja in der glücklichen Lage das Dosenbrot vorher erwärmen zu können - köstlich.
Vorher gab es andere Brotsorten, aber das war nicht so schmackhaft. Urlauber fragten oft nach Dosen zum mitnehmen, war ja bestes Körnerbrot.
Zugegeben, durch die Kombüse (ständig in Reichweite) war es für uns etwas einfacher. Aber mit etwas Ideen konnte man schon etwas anfangen mit diesen Dingen.
Dieser Tee aus Komprimaten wurde sehr gern getrunken.

#26 RE: "Atom-Tag" von OldMan 15.02.2019 13:17

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@Phobos 2.1; klingt jedenfalls nicht schlecht. So einfallsreich waren wir damals nicht; es wurde mehr jedem selbst überlassen, wie er das Zeug in sich einbrachte. Und, ja, Tee-Komprimat, hatte ich fast vergessen, solche Täfelchen: Schwarztee mit Zitrone. Der war bei mir sehr beliebt, bei anderen weniger, so dass ich ihn ebenfalls in meinem "Komplekte-Lager" horten und gelegentlich verbrauchen konnte (Wache oder so)...

OldMan

#27 RE: "Atom-Tag" von Phobos2.1 15.02.2019 14:45

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Jou, genau DER Tee.
Ging immer gut, so Zitronensäure (oder was auch immer)war da auch schon dabei.
Eigentlich lecker.

#28 RE: "Atom-Tag" von OldMan 15.02.2019 19:07

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Zitat von Phobos2.1 im Beitrag #27
Jou, genau DER Tee.
Ging immer gut, so Zitronensäure (oder was auch immer)war da auch schon dabei.
Eigentlich lecker.


Ich hatte so'ne blaue Kunststofftasse; war wohl die generelle "Tasse am Mann" für den "Kasernen-Innenbetrieb". In der wurde mit meinem (verbotenen, auch für uns Uffze.) Reisetauchsieder das notwendige Wasser für die Auflösung des Komprimats erhitzt. Ich hatte das Ding von irgendwo mal mitgebracht, war ziemlich klein und natürlich "elektrotechnisch-sicherheitsmäßig" besser als ein aus Schutzanzug-Knöpfen und Rasierklingen hergestellter "Tauchsieder" ("U-Boot"?).
Von meiner Großmutter hatte ich noch einen Elektrokocher mit Schamotte und Glühspiralen in einem Aluminiumguss-Gehäuse (Nachkriegsprodukt): Auch den habe ich mal angeschleppt und wir haben den immer gern verwendet, besonders in der "Pilzsaison", wenn ich meine USchüs beim "Hirschen" über den Flugplatz violette Ritterlinge (sahen wie Giftpilze aus und liefen blau an) aufnehmen und dann bei mir abgeben ließ. Butter (gelegentlich auch Schmalzfleisch) gab es aus der Küche und so hatten wir abends manchmal einen verführerischen Duft nach gebratenen Pilzen im Kompaniebereich. Ausgesuchte "Günstlinge" unter den US durften mitmampfen (als Auszeichnung!). Unser KC hat es geahnt, denn einer der Offze. hatte uns einmal beinahe erwischt: Aber das Ausmaß dieser Maßnahmen in dienstfreier Zeit hätte ihn wahrscheinlich auf die Palme getrieben... Mit "Komplektetag" hatte der Pilzgenuss allerdings wenig zu tun, nur über das Öffnen eventuell noch vorhandener Schmalzfleischbüchsen.

OldMan

#29 RE: "Atom-Tag" von hadischa 15.02.2019 20:21

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Ja der Tee, die Komprimate wurden gesammelt, findig waren die Soldaten schon.
Während Übungen gab es diesen zum trinken, Wasser mit Lötlampe und Kochgeschirr heiß gemacht.
Zuständig dafür der SPW-Fahrer oder ein abkömmlicher Funker.

#30 RE: "Atom-Tag" von Eddy 16.02.2019 17:59

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Männer, sprecht Ihr davon
Dosen (2).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Dosen (9).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Dosen (1).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Dosen (3).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Dosen (4).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Dosen (5).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Dosen (6).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Dosen (7).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Dosen (8).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

Eddy

#31 RE: "Atom-Tag" von hadischa 16.02.2019 18:12

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Zitat von Eddy im Beitrag #30
Männer, sprecht Ihr davon


Eddy



Ja, davon sprechen wir.

#32 RE: "Atom-Tag" von OldMan 16.02.2019 18:23

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Sehr schön, @Eddy! Und deutlich zu sehen auf den Aufdrucken: Weinböhla. Der Betrieb stand etwa 300 m von meiner derzeitigen O.U. entfernt. Jetzt ist da, ich schrieb es schon, eine Umgehungsstraße und eine Turnhalle, auf deren Parkplatz (ehemals auch Betriebsgelände) Trödelmärkte stattfinden.
So ändern sich die Zeiten.

OldMan

#33 RE: "Atom-Tag" von Phobos2.1 17.02.2019 12:27

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Die guten, alten Wurstbüchsen.......
Wahrscheinlich waren diese nicht überall beliebt und man hörte schon mal, dass das ja nur zusammengefegte Abfälle seien...
Aber das sind eben diese Leute gewesen, die mit nichts in der Verpflegung zufrieden waren. Kennt sicher jeder jemand. Da kannst anbieten was du willst...
Ähnliche Büchsen gibt es ja heute auch noch und wenn man mal eine kleinere Portion braucht ist diese Größe ideal.
Gab es für die Inhalte der Komplekte konkrete Festlegungen?
Ich meine jetzt nicht die Anzahl der Portionen sondern auch die Abwechslung?
Ich kann mich erinnern, dass in manchen Verpackungen auch Tuben mit Marmelade waren, etwa so groß wie heute die Tomatenmarktuben.
War aber nicht immer so.
Wir hatten ja eckige Kartons als 10er Rationen und etwas kleinere mit 5er Rationen. Da stand eine Nummer drauf und anhand dieser aufgedruckten Nummer war problemlos die Dauer der Bevorratung abzulesen. Ein entsprechender Plan hing in der Last und der Koch hatte sich streng danach zu richten.
Da gab es gewaltig Ärger, wenn er mal eine falsche Ration aufgerissen hatte. Die Bevorratung wurde regelmäßig kontrolliert und bei Komplekten mit falscher Nummer wurden diese dann durch den Verpflegungsdienst durch die aktuellen ersetzt. Natürlich auf Kosten der Besatzung, d.h. die 35 Portionen wurden der Strichliste "gutgeschrieben". Im Klartext: Bei der nächsten Verpflegungsanforderung konnte man dann 35 Portionen weniger bestellen.
Als Bootsmann stand man ja nicht ständig neben dem Koch - aber so etwas gab richtig Ärger......

#34 RE: "Atom-Tag" von Eddy 18.02.2019 12:14

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Eigentlich hatten wir bei den Schnellbooten einen regelmäßigen Komplektetag im Monat. Das wurde auch so gehandhabt. Mit dem Brot und den Wurstkonserven gab es eigentlich weniger Probleme, letztlich war es aber bei jedem anders mit dem Geschmack. Da dieser Tag immer auf dem Schwimmenden Stützpunkt (Wohnschiff) durchgeführt wurde, gab es entsprechend in allen Messen zum Mittag die Suppen in Varianten. An Bohnen- und Erbseneintopf kann ich mich erinnern, an Ochsenschwanzsuppe eher nicht. Am begehrtesten war das Brot in der Dose. Ich habe mir für meine Familie immer zwei bis drei Dosen mit nach Hause genommen, da dieses in Scheiben getoastet sehr gut schmeckte. Dadurch war die Feuchtigkeit raus, die man beim normalen Verzerr doch recht toll merkte. Der "Chester" war auch das "Lieblingsobjekt" unserer Lords, der ging meist über Bord oder wurde als "Haftmine" in anderen Kammern hinter der Heizung angebracht. Es war immer mit viel Stimmung verbunden diese Verpflegung.
Aber bei uns Schnellbootfahrern gab es ja die noch eine andere Zusatzverpflegung, unsere "Schnellbootspäckchen". Diese Päckchen waren unterschiedlich gepackt, hatten aber immer eine einheitliche Größe. Als Inhalt gab es die bekannten Wurstbüchsen, in glaube zwei, eine kleine Tafel Bitterschokolade, eine Rolle Dextropur und eine kleine Büchse Kondensmilch. Dazu eine Packung Dauerkeks. Dieser Keks wurde im Mund immer mehr und sollte letztlich auch dem Magen das Gefühl der Fülle geben. Da dieses Zeug mächtig trocken war, legten wir immer eine halbe Tafel Schokolade zwischen zwei Kekse und diese Packung kam auf die Heizung, im Sommer auf irgend eine andere Wärmequelle. Da wurde die "Prinzenrolle" erfunden.
Übrigens wurden nach den Komplektetagen oder nach Seeeinsätzen massenhaft Wurst- und Chesterdosen bei der Wittower Fähre angespült. Das waren alles solche Dosen, die man nicht unbedingt essen wollte und über Bord warf. Mein Schwiegersohn, der dort aufgewachsen ist, erzählt heute hin und wieder mal von dieser "Dosenschwämme".
Eddy

#35 RE: "Atom-Tag" von Phobos2.1 18.02.2019 14:21

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Ich habe da jetzt so einen Verdacht, woher die von dir gezeigten Büchsen stammen.......

#36 RE: "Atom-Tag" von Eddy 18.02.2019 17:24

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Übrigens ist das Dosenbrot heute wieder im Umlauf und das, was ich bei "rügen direkt" (also Rügenprodukte) am Kap Arkona gekauft habe, schmeckt genauso gut wie das damalige.
Einfach mal "Geschichte auf der Zunge" erleben.

#37 RE: "Atom-Tag" von Eddy 18.02.2019 18:30

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Ich habe hier noch eine Episode zum Thema, die ein ehemaliger Brigadechef von LTS-Booten aufgeschrieben hat. LTS-Boote, Kleinkampfmittel der Volksmarine, drei Mann Besatzung und zwei Torpedos pro Boot, Geschwindigkeit bis 50 sm/h. Einsatzzeit 1962 bis 1975.

"In jeder Armee gibt es sie - die "Einsatzverpflegung". In der NVA lief sie unter dem Begriff "Komplekte". Unterschiedlich in den Teilstreitkräften bestand sie aus hochwertigen Nahrungsmitteln, die den Kämpfer im Falle des Verbindungsverlustes zu den eigenen rückwärtigen Diensten am Leben und kampfbereit halten sollten. In der LTS-Brigade kannte man sie unter dem Begriff "LTS-Päckchen". Sie wurden als Ein-Mann-Portionen, wohlverpackt wassergeschützt, zu jedem Seetörn an die Besatzungen der LTS-Boote ausgegeben. Da es auf den Booten keine Möglichkeiten der Verpflegungszubereitung gab, durften die Päckchen im Unterschied zu anderen militärischen Einheiten zwei Stunden nach dem Verlassen des Stützpunktes zum Verbrauch ausgegeben werden.
Der Inhalt dieser Rationen variierte von Jahr zu Jahr leicht, bestand aber im Wesentlichen aus in Alu- oder Plastikfolie verpackten "Kekskomprimaten", mehreren Fleisch-, Wurst- und Schmelzkäsekonserven, einer kleinen Tafel Schokolade und einer Tube oder Büchse stark gesüßter Kondensmilch.
Mit Ausnahme der Kekskomprimate waren das recht schmackhafte Lebensmittel, die von den Besatzungen bei Gefechtspausen in See oder nach dem Einlaufen verzehrt wurden. Campingfreunde sammelten die Konserven und nahmen sie gern als Verpflegung mit in den Campingurlaub in das befreundete Ausland, um die immer sehr knappen Devisen zu sparen. Eine Ausnahme waren die Kekskomprimate. Es handelte sich um sicher hoch entwickelte und inhaltreiche Lebensmittel, die aber einen etwas eigenartigen Geschmack hatten, beim Kauen im Mund ein immer größeres Volumen einnahmen und dann mit einer gewissen Anstrengung hinuntergeschluckt werden mussten. Da ja die "Lords" nicht wirklich unter Hunger litten, gab es dazu eine einfache Lösung: Die Dinger flogen außenbords mit der Bemerkung: "Ungenießbar!"

Im April 1972 war es dem Kommando der VM wieder einmal gelungen, die periodisch zum oder vom Gefechtsdienst in der Nordsee oder im Nordatlantik die Operationszone der VM passierenden Einheiten (meistens Zerstörer der Baltischen Flotte) als Zielschiffe für die Schiffschlaggruppen der 6.Flottille zu nutzen. Für jeden Kommandeur der Stoßkräfte war das ein echter Höhepunkt in der taktischen Ausbildung, musste man sich doch wie üblich mit "lahmen" Hilfsschiffen der eigenen Flotte oder Flottille zufriedengeben. Da war doch so ein modernes Kriegsschiff ein ebenbürtiger "Gegner", der den Kommandeuren und Kommandanten der Stoßkräfte solide Kenntnisse und taktisches Geschick abverlangte.
Die SSG-604 unter Führung des Brigadechefs, bestehend aus der 8. LTS-Abteilung und dem zukommandierten Führerboot 814 (TS-Boot Projekt 206) der 1. RTS-Brigade erhielt für den 12.04.1972 die Aufgabe, einen mit Ostkurs passierenden Verband, bestehend aus zwei Zerstörern der BRF " zur Übung" anzugreifen.

In den frühen Morgenstunden des 12.04.72 machte die SSG see- und gefechtsklar. Die Sonne war gerade aufgegangen, der Himmel war blau bei Wind 0 - 1! Die See war ein "Ententeich". 20 Diesel M 50/F 3 brüllten auf, die Boote waren verhüllt in einer dicken Diesel-Abgaswolke und verließen dann zügig den Stützpunkt Bug. Nach Passieren des Tonnenpaares A/1 sammeln beim als letzte taktische Nummer ausgelaufenen Führerboot und mit hoher Fahrtstufe überführte die SSG in den Bereitschaftsraum Tromper Wiek.
Bis zum befohlenen Angriff war ca. eine Stunde Zeit. Die Boote trieben im B-Raum und die Kommandanten nutzten die Zeit zu Bootsgefechtsübungen. Mit gespannter Aufmerksamkeit überwachte die Führungsgruppe die Nachrichtenverbindungen und erwartete die erste Gegnermeldung vom Flottillenstab. Dann knackte es im Kopfhörer und über die KBS/TBK Arkona kam die erwartete Meldung. Aber es war keine Gegnermeldung, sondern die Information "Aufgabe verschiebt sich um zwei Stunden". Das war nun bei dem herrlichen Wetter kein Problem, konnte man doch den strapazierten Körper auch mal ungestört der Sonnenbestrahlung aussetzen. Auf dem Führerboot bereitete der Smut Gefechtsstullen und starken Kaffee und auf den LTS-Booten wurden die LTS-Päckchen geöffnet. Nach kurzer Zeit sah man dann, wie üblich, die Boote in einem Teppich silbern blinkender Kekspackungen treiben.
So verging die Zeit, Bootsgefechtsübungen oder Arbeiten an der Technik waren sinnvolle Tätigkeiten an Bord des Führerbootes und der LTS-Boote. In Erwartung der ersten Meldung über Standort und Handlungen des "Gegners" wuchs die Anspannung in der Führungsgruppe. Nach Ablauf der gemeldeten zwei Stunden war der Flottillengefechtsstand wieder auf der Welle: "Aufgabe verschiebt sich um weitere zwei Stunden"!!! Danach wuchs doch die Ungeduld und manche erste kritische Bemerkung über die schwache Termintreue der "Freunde" war zu hören. Aber noch war die Stimmung hervorragend und der Kampfgeist ungebrochen.
Aber bei den LTS-Besatzungen knurrte offenbar doch langsam der Magen. Eigentlich wollte man schon wieder im Heimatstützpunkt sein. Doch dann kam über den Verbandskanal der heute noch viel belächelte Funkspruch: "ACH an BCH, erbitte für ein Boot eine Maschine Feuer an". Da war natürlich eine Rückfrage fällig, wozu brauchen die eine Maschine Feuer an? Die Antwort vom ACH, Rolf-Dieter Eichhoff, mit seiner markigen Stimme rief ein gehöriges Gelächter auf dem Führerboot hervor. Wohl einmalig in der VM lautete sie: "Komplekte fischen!" Da die Boote leicht vertrieben waren, blieb nur noch eine Art "Mann-über-Bord-Manöver", um wieder in den Besitz der sonst so heftig verschmähten Kekskomprimate zu kommen.
Aber dann kam der "Gegner" doch noch. Standort, Gegnerkurs und -geschwindigkeit vom Flottillengefechtsstand, Gefechtsalarm, die SSG stürmte dem Ziel mit hoher Fahrtstufe entgegen, Vorentfaltung in Such-Schlagformation, Gegnermeldung an ACH, Signal "Richard"
(Torpedoangriff durchführen) an ACH. Der "Gegner" spielte sogar mit. Kursänderungen und Imitation von Abwehrfeuer durch Scheinwerferblinke erschwerten dem ACH den Angriff.

Die Ausbildungsaufgabe wurde erfüllt. Bei allen späteren Auswertungen und noch bis in die heutige Zeit, wo die Kämpfer von damals bereits im Ruhestand sind, hört man die Worte:
"Weißt du noch, wie wir damals die Komplekte gefischt haben?"


Bis denne
Eddy

#38 RE: "Atom-Tag" von Phobos2.1 18.02.2019 18:40

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Im Lauf meiner Dienstzeit hatten wir drei Sorten "Atombrot" an Bord. Es soll noch anderes gegeben haben, aber vielleicht war das Testbrot o.ä.
Die erste Sorte war in Folie und Wachspapier. Sehr fest und irgendwie mit wenig Geschmack. Zwar hatten wir Brotschneidemaschine an Bord, aber diese Sorte kannte ich noch aus Parow. Wieder Vorteil bei uns, wir konnten es aufbacken.
Dann (so etwa 1975?) kam eine weitere Sorte. Ähnelte dem Kommisbrot, aber relativ weich. Dunkel, aber in der Konsistenz an Weissbrot erinnernt. War ebenfalls in Folie, musste aber lt. Herstellerangaben etwa eine Viertelstunde vor Genuss ausgepackt und gelüftet werden. Soll geringe Mengen Alkohol enthalten haben und dieser sollte verfliegen. Riechen tat man nichts und er machte das Brot wohl langlebiger. War aber auch relativ fade.
So ab etwa 1977 kam dann das Dosenbrot.
Wie oben beschrieben, war es schmackhaft und wurde gern gegessen.
Nur wenn es kalt war, war es auch sehr fest und man brauchte viel Flüssigkeit dazu. Kann mir vorstellen, dass das im Gelände schon nachteilig war.

#39 RE: "Atom-Tag" von Trapperleise 18.02.2019 18:51

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Wahrnehmungen sind ja oft sehr unterschiedlich. Was ich damals bei Verkündigung eines Komplekte-Tages vernahm, war jedesmal ein Raunen, welches durch die Truppe ging. Dieses war aber nicht freudigen Ursprungs, sondern zeugte von wenig Begeisterung. Auch war es so deutlich und laut, dass es wohl die Mehrheit betraf Vielleicht waren wir bei den GT, ob des höheren Verpflegungssatzes, ja auch zu "verwöhnt", aber das "normale" Essen zogen wohl annähernd alle vor (zumindest die Mannschaften). Weshalb nun heute die Schmackhaftigkeit von nicht Wenigen derart gelobt wird, wird mir wohl ein ewiges Rätsel bleiben. Zugeben möchte aber auch ich gern, dass mal ne Stulle Schmalzfleisch recht gut schmeckt - ABER das Büchsenzeug verabreichte man uns ja für den ganzen Tag. Da war die Dreifruchtmarmelade aus der Tube am Morgen noch am Erträglichsten. Ich verweise vorsichtshalber auf mein Signum unter diesem Text

#40 RE: "Atom-Tag" von OldMan 18.02.2019 20:46

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Da stimme ich schon zu: Begeisterung unter den Kämpfern war etwas anderes. An Komplekte-Tagen wurde eifrig die MHO (Doris) und abends die Cola Bar (bei Werner; im FuAR2, zu meiner Zeit) besucht, zu Mittag waren dann manchmal die Bocki-Vorräte verbraucht und wer zu spät kam, den bestrafte das Leben. Also: Gerne wurde das Zeugs nicht genommen, das "normale" Essen war schon besser (abgesehen davon, dass es immer irgendwen gibt, dem es nicht schmeckt: Wobei die manchmal zuhause "den Kitt aus den Fenstern fraßen" und hier so taten, als wären sie im Feinschmeckerrestaurant auf falschen Kaviar gestoßen). Aber wenn, dann machte man eben aus der Not eine Tugend.
Übrigens, weil 1977 erwähnt (als Einführungsjahr Dosenbrot) wird: Stimmt so nicht wirklich. Gab es schon zu meiner Dienstzeit; ich denke mal so 1974...

Lustig, @Eddy, die Story mit dem Komplekte-Fischen... Ich bin ja Marine-Fan und habe alle Flottenkalender der DDR (schon wegen meines Vaters, der bei der KM "tätig" war); sowas hätte man ja damals nicht unter "Ulk" schreiben können...
OldMan

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